09.
September

Wer eine Wohnung oder ein Haus saniert, denkt meist zuerst an Energieeinsparung, neue Fenster, Dämmung oder moderne Heizsysteme. Ein wichtiger Aspekt wird allerdings oft übersehen: die Auswirkungen auf das Raumklima. 

Das Raumklima beschreibt das Zusammenspiel verschiedener Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftaustausch und -bewegung. Ein behagliches Raumklima beeinflusst unsere Gesundheit, unsere Konzentrationsfähigkeit, aber beispielsweise auch die Lebensdauer von Möbeln und Bausubstanz. Insbesondere in Altbauten, die saniert und energetisch aufgewertet werden, verändert sich die Dynamik von Luftaustausch und Feuchtigkeit erheblich – oft mit unerwünschten Nebenwirkungen wie Schimmel oder „dicker Luft“. Zu trockene Luft reizt Schleimhäute, zu feuchte fördert Schimmel. Auch der CO₂-Gehalt und die Luftzirkulation spielen eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden – insbesondere in dicht sanierten Gebäuden, in denen die natürliche Durchlüftung eingeschränkt ist.

Gasetagenheizungen wirken auf das Raumklima
Ein häufiger Sanierungsschritt ist der Austausch alter Gasetagenheizungen. Diese waren über Jahrzehnte Standard in vielen Altbauwohnungen und trugen oft per se zur natürlichen Luftzirkulation bei, weil durch den Luftverbrauch zur Gasverbrennung ein leichter Unterdruck entsteht, der Verbrennungsluft aus anderen Räumen nachzieht und so wiederum Frischluft durch die undichte Gebäudehülle nachströmt. Wird diese Heiztechnik im Zuge der Sanierung entfernt, entfällt dieser Luftaustausch. Ohne passende Alternative drohen in der Folge ein erhöhter Feuchtigkeitsgehalt in der Raumluft und langfristig sogar Schimmelbildung. Hinzu kommt, dass viele Bewohner ihr Lüftungsverhalten nicht an die neue Situation anpassen. Die Konsequenz: Feuchtigkeit, CO₂ und Schadstoffe sammeln sich schneller an.

Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung
Eine mögliche Lösung: kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Spezielle Systeme führen verbrauchte feuchte Luft nach außen ab und leiten gleichzeitig frische gefilterte Luft in den Wohnraum – ohne dass dabei Heizwärme verloren geht. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Es gibt zentrale Systeme, die sich vor allem bei Neubauten oder umfassenden Sanierungen eignen, bei denen ein Luftverteilungsnetz installiert werden kann. Für bestehende Gebäude sind dezentrale Lösungen oft die bessere Wahl. Sie bestehen aus einzelnen, paarweise vernetzten Geräten, die direkt in die Außenwand eingebaut werden und im Wechsel Frischluft ein- und Abluft ausführen – inklusive Wärmerückgewinnung. Die Wärme der Abluft wird über einen keramischen Wärmetauscher zurückgewonnen und der Zuluft wieder zugeführt. „Automatisierte Systeme mit Wärmerückgewinnung ermöglichen Energieeffizienz und Luftqualität gleichzeitig“, erklärt Christian Bolsmann, Vorstand des Bundesverbands für Wohnungslüftung e. V. Besonders nach einer Sanierung sei eine solche Lösung sinnvoll. „Der typische Fehler nach einer Sanierung ist, dass die neue Dichtigkeit des Gebäudes nicht mit einem Lüftungskonzept überprüft und gegebenenfalls eine sinnvolle lüftungstechnische Maßnahme installiert wird. Dann drohen Feuchteschäden und schlechtes Raumklima“, warnt der Experte. Das Gute: „Solche dezentralen Systeme lassen sich durch heute verfügbare Funksysteme minimalinvasiv und flexibel in den Altbau integrieren – und sie sind heute so leise und unauffällig, dass sie praktisch unsichtbar arbeiten.“ Moderne Systeme messen darüber hinaus Luftfeuchte, CO₂ oder VOC und passen die Lüftungsleistung automatisch an – für gleichbleibend gute Luft, ganz ohne manuelles Eingreifen.

Verhalten anpassen
Nach einer energetischen Sanierung ohne lüftungstechnische Maßnahme bleibt es insbesondere wichtig, das neue Wohnverhalten an die technischen Veränderungen anzupassen. Regelmäßiges Messen der Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer sollte zur Routine gehören. Werte über 60 Prozent über längere Zeit sind ein Warnsignal. Stoßlüften bleibt weiterhin sinnvoll, ist aber oft unpraktisch – besonders im Winter oder bei Abwesenheit. Wohnraumlüftungssysteme mit automatischer Steuerung übernehmen diese Aufgabe verlässlich und effizient. Auch Ventilatoren oder das Offenlassen von Innentüren können helfen, Luftbewegung in „stehenden“ Räumen zu erzeugen. Wichtig ist, dass Heizung und Lüftung als Einheit betrachtet werden – ein modernes Heizsystem allein reicht nicht aus, wenn die Luftqualität leidet. Zudem gibt es Fördermöglichkeiten, etwa über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder Landesprogramme, die den Einbau von Lüftungssystemen mit Wärmerückgewinnung finanziell unterstützen.

Astrid Zehbe
Referentin für Presse und Kommunikation Haus & Grund Deutschland

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